Marilles veröffentlicht ersten Leitfaden zur Wiederherstellung von Meeresökosystemen im Balearenmeer
Veröffentlicht 08.07.2026
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Zentrale Botschaft: Ökologische Wiederherstellung ist nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig die Ursachen der Zerstörung beseitigt werden.
Die Stiftung Marilles hat den ersten Strategischen Leitfaden zur Wiederherstellung von Meeresökosystemen im Balearenmeer veröffentlicht. Das Fach- und Informationsdokument schafft erstmals einen konzeptionellen und praktischen Rahmen für die Wiederherstellung von Meeresökosystemen auf den Balearen. Es erläutert, was unter ökologischer Wiederherstellung zu verstehen ist – und was nicht –, stellt Beispiele erfolgreicher Projekte vor und definiert Qualitätskriterien, um wissenschaftlich fundierte Maßnahmen von rein symbolischen Initiativen ohne nachweisbaren ökologischen Nutzen zu unterscheiden.
Eine der zentralen Botschaften des Leitfadens lautet: Die Wiederherstellung von Meeresökosystemen kann nur erfolgreich sein, wenn gleichzeitig die Belastungen beseitigt werden, die zur Zerstörung der Lebensräume geführt haben. „Die Wiederherstellung von Meeresökosystemen ist kein Freibrief dafür, ihre Zerstörung fortzusetzen. Der Erfolg jedes Projekts hängt in erster Linie davon ab, die Belastungen zu beseitigen, die unsere Meeresökosysteme geschädigt haben“, erklärt Margalida Monserrat, Mitautorin der Studie.
Ebenso macht der Leitfaden deutlich, dass der Schutz intakter Ökosysteme stets Vorrang haben muss. „Die Wissenschaft ist eindeutig: Der wirksamste Beitrag zur Wiederherstellung von Meeresökosystemen ist ein effektiver Schutz. Wiederherstellungsmaßnahmen sind nur dann sinnvoll, wenn die Belastungen zuvor reduziert wurden und sie Teil einer kohärenten Gesamtstrategie sind, in der Schutz und Wiederherstellung Hand in Hand gehen“, betont Mitautorin Nuria Salmerón.
Der Leitfaden richtet sich an Behörden, Naturschutzorganisationen und Unternehmen aus meeresbezogenen Wirtschaftsbereichen – etwa dem Tourismus –, die künftige Projekte zur Wiederherstellung von Meeresökosystemen fördern oder finanzieren möchten. Er bietet eine fundierte Grundlage für wissenschaftlich belastbare, ökologisch sinnvolle und transparente Maßnahmen im Einklang mit internationalen Standards. Behandelt werden zentrale Fachbegriffe, bewährte Verfahren, der aktuelle Rechtsrahmen sowie prioritäre Lebensräume und Arten. Darüber hinaus stellt die Publikation verschiedene Wiederherstellungsprojekte aus dem Mittelmeerraum und von den Balearen vor.
Autorinnen des Leitfadens sind Nuria Salmerón, Referentin für Meeresschutzgebiete bei Marilles, Margalida Monserrat, Wissenschaftlerin des Bericht Mar Balear, sowie Tatí Benjumea, Koordinatorin für Lebensräume und Arten der Stiftung Marilles.
Die Veröffentlichung erfolgt zu einem wichtigen Zeitpunkt: Mit der 2024 verabschiedeten EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur wurden ehrgeizige Ziele festgelegt. Bis 2030 sollen mindestens 20 Prozent der geschädigten Ökosysteme wiederhergestellt werden, bis 2040 60 Prozent und bis 2050 sämtliche degradierte Ökosysteme. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, ihre nationalen Wiederherstellungspläne bis zum 1. September 2026 vorzulegen. Entsprechend ist in den kommenden Jahren mit zahlreichen neuen Projekten zu rechnen.
„Die Wiederherstellung von Meeresökosystemen ist ein unverzichtbares Instrument des Meeresschutzes. Doch nicht jedes Projekt erzielt die gleiche Wirkung. Die finanziellen Mittel für den Schutz unseres Meeres sind begrenzt. Deshalb müssen wir in Maßnahmen investieren, die den Zustand der Meeresökosysteme tatsächlich verbessern und Ressourcen sinnvoll einsetzen. Dieser Leitfaden hilft dabei, wirksame Projekte von Maßnahmen ohne echten ökologischen Mehrwert zu unterscheiden“, sagt Aniol Esteban, Direktor der Stiftung Marilles.
Wann und wie lassen sich Meeresökosysteme erfolgreich wiederherstellen?
Der Leitfaden wurde im Rahmen der Veranstaltung „Restaurar para conservar“ („Wiederherstellen, um zu bewahren“) im Estudi General Lul·lià in Palma vorgestellt. Zu den Gästen gehörte Silvia García Higuera von der Unterdirektion für marine und terrestrische Biodiversität des spanischen Umweltministeriums (MITECO).
Im Anschluss diskutierten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Fachleute aus dem Meeresschutz unter dem Titel „Marine Wiederherstellung: Können wir zurückgewinnen, was wir verloren haben?“. Teilnehmer waren Gigi Torras (Arrels Marines), Inés Castejón und Beatriz Marín (IMEDEA), Juan Calvo (Alianza por el Agua) sowie Sonia de Caralt von der Universität Girona.
Im Mittelpunkt standen bewährte Ansätze für die Wiederherstellung von Meeresökosystemen, unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven sowie die Notwendigkeit, Projekte konsequent an wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten, prioritäre Lebensräume und Arten in den Fokus zu stellen und die Ursachen ihrer Schädigung dauerhaft zu beseitigen.
Zum nachlesen:
Strategischer Leitfaden zur Wiederherstellung von Meeresökosystemen im Balearenmeer (spanisch) https://doi.org/10.62135/BNNK9070