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Naturschutzverbände warnen vor Schwächung der Meeresschutzgebiete auf Ibiza und Formentera

Veröffentlicht 13.05.2026

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Naturschutzverbände warnen vor Schwächung der Meeresschutzgebiete auf Ibiza und Formentera

Foto: Toni Menor

Acht Naturschutzorganisationen – GEN-GOB, IbizaPreservation, GOB Formentera, GOB Mallorca, Ecologistas en Acción, OceanCare, Stiftung Marilles und Tursiops – haben die Balearenregierung aufgefordert, ihre Pläne zur Abschwächung der Schutzbestimmungen in den Fischereischutzgebieten (Reservas Marinas de Interés Pesquero) rund um Ibiza und Formentera zurückzunehmen.

Der derzeit im Anhörungsverfahren befindliche Verordnungsentwurf zur Erweiterung des Meeresschutzgebiets Es Freus würde nach Einschätzung der Organisationen den Schutz nicht stärken, sondern deutlich schwächen. Betroffen wären nicht nur Es Freus selbst, sondern auch die Schutzgebiete Punta de sa Creu, Vedrà-Vedranell, ses Bledes und Tagomago – mit weitreichenden ökologischen und wirtschaftlichen Folgen.

Der Entwurf sieht unter anderem vor, die Schutzbestimmungen aller Gebiete an das niedrigere Schutzniveau des Meeresschutzgebiets Punta de sa Creu anzugleichen. Dadurch wären künftig Freizeitfischereimethoden erlaubt, die bislang eingeschränkt sind, etwa der Einsatz von Lebendködern oder das Schleppangeln. Gleichzeitig sollen Schonzeiten entfallen, obwohl ihre Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist.

Darüber hinaus soll die tägliche Fangbegrenzung für Freizeitangler bei wertvollen Arten wie Zackenbarsch, Zahnbrasse, Petersfisch oder Goldbrasse aufgehoben werden. Dies würde den Fischbestand zusätzlich belasten und die Erholung der Populationen erschweren. Da es sich um Arten mit hohem Marktwert handelt, steigt zudem das Risiko, dass Fänge weit über den Eigenbedarf hinausgehen und auf dem Schwarzmarkt landen.

Auch für die Berufsfischerei sind Änderungen vorgesehen. So soll die maximal zulässige Auslegezeit für Langustenreusen an Wochenenden von bislang 24 auf 48 Stunden verlängert werden.

Aus Sicht der Naturschutzorganisationen enthält der Verordnungsentwurf einen grundlegenden Widerspruch: Das Schutzgebiet soll zwar vergrößert werden, gleichzeitig würden jedoch die Schutzstandards gesenkt – ohne jede wissenschaftliche Grundlage.

Dabei zeigen die verfügbaren Daten eindeutig, dass Meeresschutzgebiete funktionieren. Sie ermöglichen die Erholung mariner Ökosysteme, tragen entscheidend zu einem guten ökologischen Zustand des Meeres bei und sichern langfristig die Zukunft der Berufs- und Freizeitfischerei.

Vorteile von Schutzgebieten

Fischereischutzgebiete bieten Fischbeständen den notwendigen Raum zur Erholung. Besonders eindrucksvoll zeigt dies die wissenschaftliche Auswertung der Überwachung fischereilich empfindlicher Arten in den Schutzgebieten der Balearen: Im Meeresschutzgebiet Es Freus zwischen Ibiza und Formentera hat sich die Biomasse der untersuchten Fischarten seit dem Jahr 2000 in den vollständig geschützten Bereichen  (ohne jegliche Art der Fischerei) versechsfacht. In den Zonen mit regulierter Fischerei hat sie sich vervierfacht.

Von dieser Entwicklung profitiert nicht nur die Artenvielfalt. Auch die Fischerei ist auf gesunde und artenreiche Meeresökosysteme angewiesen. Eine Abschwächung der Schutzmaßnahmen wäre deshalb ein Rückschritt, den wir uns nicht erlauben können – sowohl für den Meeresschutz als auch für eine nachhaltige Fischereipolitik.

Statt Schutzstandards abzubauen, fordern die Organisationen einen weiteren Ausbau des Schutzgebietsnetzes sowie eine bessere Überwachung und eine stärkere Einbindung aller Beteiligten. Der Erhalt und die Erweiterung dieser Schutzgebiete seien keine ideologische Frage, sondern eine strategische Investition in die Zukunft des Mittelmeers.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen zudem klar: Eine Verringerung des Schutzniveaus würde langfristig auch der Fischerei selbst schaden. Wenn sich Fischbestände in den Schutzgebieten durch weniger Beschränkungen weniger gut erholen können, schadet dies mittel- und langfristig sowohl der Berufsfischerei als auch der Freizeitfischerei außerhalb der Schutzgebiete.

Darüber hinaus leisten Meeresschutzgebiete einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel. Widerstandsfähige Meeresökosysteme können marine Hitzewellen besser verkraften und erfüllen weiterhin zentrale ökologische Funktionen wie die Speicherung von Kohlenstoff.

Die beteiligten Organisationen fordern die Balearenregierung deshalb auf, das Verfahren zur Erweiterung des Meeresschutzgebiets vorerst auszusetzen. Ziel müsse ein transparenter Prozess sein, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und alle betroffenen Akteure einbezieht.

Sie verlangen, dass die Regierung einen Dialog mit Naturschutzorganisationen, Wissenschaft und Fischereisektor aufnimmt und kurzfristig die Beiräte aller Meeresschutzgebiete auf Ibiza und Formentera einberuft. Denn die geplanten Änderungen betreffen sämtliche Schutzgebiete der Pityusen.

Zudem müsse die Erweiterung des Meeresschutzgebiets mit einer Vergrößerung der streng geschützten, vollständig fischereifreien Zonen verbunden werden.

Wissenswert

  • Auf den Balearen gibt es derzeit 12 Fischereischutzgebiete, die zusammen 0,93 Prozent der Meeresfläche der Balearen umfassen.
  • In mehr als 96 Prozent der balearischen Gewässer kann Freizeitfischerei ohne besondere Einschränkungen ausgeübt werden.
  • Seit dem Aufbau des Netzes von Fischereischutzgebieten ist die Zahl der Lizenzen für die Freizeitfischerei kontinuierlich gestiegen und liegt inzwischen bei rund 45.000. Die Schutzgebiete stehen dieser Freizeitnutzung also keineswegs entgegen.